
Die Psychiatriestrategie ist ein wichtiger Teil der Medizinstrategie 2030. Sie berücksichtigt, dass psychische Erkrankungen zu den Volkskrankheiten zählen. Angebote sollen die Menschen künftig im Wohnumfeld erreichen. Ein Überblick.
Psychische Erkrankungen zählen zu den Volkskrankheiten in Deutschland. Eine Prognose besagt, dass jeder vierte Erwachsene von einer psychischen Erkrankung betroffen sein kann.
„Dem stellen wir uns mit der Psychiatriestrategie, indem wir auf die Menschen zugehen“, sagt Bastian Flohr, Geschäftsführender Direktor und Pflegedirektor der beiden KRH Psychiatrien Wunstorf und Langenhagen. Gemeint ist eine zunehmende, auch dezentrale Stärkung der ambulanten und tagesklinischen Angebote, um die Menschen im Wohnumfeld zu erreichen – dort, wo sie leben. Damit folgt das KRH nicht nur der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern setzt auch Forderungen der Politik um.
Ebendies betont Dr. Stefan Bartusch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Langenhagen: „Es gehört zu einer modernen Psychiatrie, sich den Menschen in ihrer Lebenswelt zuzuwenden. Versorgungsformen, Aspekte der Erreichbarkeit, der kurzen Wege sind ganz wesentliche Faktoren, die unmittelbare Auswirkungen auf die Therapie haben.“
Verbesserte Versorgung in der Fläche
Ein Beispiel für das Ziel, eine moderne psychiatrische Versorgung auch in der Fläche zu gewährleisten, ist das Gemeindepsychiatrische Zentrum (GPZ), das neben dem KRH Klinikum Neustadt am Rübenberge eröffnet wurde.
Das GPZ ist ein Zusammenschluss aus Institutionen der Region Hannover und der KRH Psychiatrie Wunstorf. Ziel ist es, erwachsenen Einwohner*innen eine verbesserte psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung in Neustadt am Rübenberge, Wunstorf und Garbsen anzubieten. Stationäre Aufenthalte könnten verkürzt oder verhindert werden und die soziale Integration der Betroffenen nach längerer Krankheit wird unterstützt.
Tagesklinische Behandlung beim Übergang ins häusliche Umfeld
Auch eine Psychiatrische Tagesklinik gehört zum GPZ. Behandlungsziele sind u. a. Krisenintervention, therapeutische Begleitung bei Konflikten und Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung und auch die Schaffung, Erhaltung und Festigung eines strukturierten Tagesablaufs und stabilen Lebensalltags. „Wir wissen, dass gerade der Übergang von einer Krankenhausbehandlung in das häusliche Umfeld ein Problem sein kann. Hier bietet die tagesklinische Behandlung eine gute Möglichkeit, um diesen Übergang zu gestalten“, erklärt Dr. Bartusch.
Das GPZ in Neustadt bietet einen weiteren zukunftsweisenden Aspekt: Es befindet sich an einem Allgemeinkrankenhaus. „Die Psychiatrie sollte ein selbstverständlicher Teil eines Krankenhauses sein. Das ist mit dem Begriff Abteilungspsychiatrie gemeint – so selbstverständlich wie eine Abteilung für Innere Medizin oder Chirurgie“, so Dr. Bartusch. „Psychiatrische Patient*innen sind auch im Hinblick auf somatische Erkrankungen aus unterschiedlichen Gründen Risikopatienten und angewiesen auf eine gute somatische Versorgung.“
Der Umzug der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Langenhagen auf das Gelände des KRH Klinikum Nordstadt wird ein weiterer Schritt zur besseren Erreichbarkeit psychiatrischer Angebote sein. „In erweiterten, moderneren Räumlichkeiten werden die Grenzen zwischen den Therapieangeboten der Station, der Tagesklinik und der differenzierten ambulanten Therapieformen fließend“, so Dr. Bartusch.
Vertrauen beim Erstkontakt prägt Bereitschaft zur Behandlung
Ein weiterer Schwerpunkt der Psychiatriestrategie ist die Gestaltung des Aufnahmekontaktes. Gerade der erste Kontakt zwischen Patient*in und Klinik prägt wesentlich die Bereitschaft, sich auf eine Behandlung einzulassen, Vertrauen aufzubauen, und hat dadurch Einfluss auf den weiteren Verlauf der Erkrankung selbst. Deshalb gibt es an beiden Standorten Veränderungen für eine bessere Ankunft in der Klinik.
Mit Sorge ist eine gesellschaftliche Tendenz mit einer Zunahme der Gewaltbereitschaft zu sehen; dies bildet sich auch und gerade in einer psychiatrischen Klinik ab. Überlegungen zu einer aktiven Behandlungs- und Beziehungsgestaltung und deren Umsetzung versuchen dem Rechnung zu tragen und zielen auf die Reduktion von Gewalt im Behandlungsalltag. Aber auch regelmäßige Qualifizierungsmaßnahmen wie das Deeskalationstraining sollen die Sicherheit der Patient*innen und insbesondere auch des Personals erhöhen.
Die Mitarbeitenden spielen in der Psychiatriestrategie eine wichtige Rolle. „Unsere Diagnostik und Therapie entsteht wesentlich aus dem Gespräch, große Medizintechnik wird man hier finden. Das heißt, wir brauchen Menschen, die fachlich kompetent Patient*innen versorgen können. Und das wird, wenn man sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt anschaut, in der Zukunft ein immer größeres Thema werden“, berichtet Bastian Flohr, Geschäftsführender Direktor und Pflegedirektor beider Standorte. Neben dem Stärken des Wir-Gefühls spielen Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung aller Berufsgruppen eine sehr wichtige Rolle.
Wenn Sie mehr zur Psychiatriestrategie wissen möchten, hören Sie einfach in den dazugehörenden Podcast: